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Meldungen Regensburg

Fünf Jahre lang, von 2007 bis 2012, lebte Harald Pröm mit seiner Frau und den vier Töchtern in Japan. Der Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte arbeitete im Auslandsschuldienst an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama. In einem Vortrag bei der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Regensburg, bei dem auch seine Familie anwesend war, berichtete Harald Pröm unter dem Titel „Leben und Arbeiten in Japan“ von dieser Zeit. Die Entscheidung für Japan sei gewissermaßen Zufall gewesen: „Man bewirbt sich für den Auslandsschuldienst, nicht für ein bestimmtes Land oder zumindest einen Kontinent“, erklärte er den mehr als 20 Zuhörern. Dann kam das Angebot aus Tokyo – und die Familie entschied sich, den Schritt zu wagen. Das erste halbe Jahr sei für alle nicht einfach gewesen, vor allem für die beiden älteren Töchter, damals in der 5. und 10. Klasse. „Aber am Schluss fiel es uns dann sehr schwer, wieder nach Deutschland zurückzukommen.“

Pröm ging zunächst auf die Deutsche Schule Toyko Yokohama ein. Es handelt sich um eine Privatschule, die von einem Verein getragen wird. Die Schulgebühren liegen bei rund 10.000 Euro pro Jahr. Die Schule umfasst einen Kindergarten, eine Grundschule und ein achtjähriges Gymnasium, das dort abgelegte Abitur ist in Deutschland anerkannt. Neben aus Deutschland entsendeten Auslandsschuldienst-Lehrkräften gibt es noch sogenannte Ortslehrkräfte. „2007 lag die Schülerzahl bei etwa 550. Nach Fukushima ging sie dann stark zurück – mittlerweile ist sie aber wieder auf etwa 400 gestiegen“, berichtete Pröm. Ausführlich ging er auf die Zusammensetzung der Schülerschaft und mögliche Probleme bei mehrsprachigen Familien ein. Oft hätten Schüler Schwierigkeiten, bei denen zu Deutsch als Schulsprache und Japanisch als Umgangssprache noch Englisch als Familiensprache komme. „In solchen Fällen ist meist keine der Sprachen gefestigt genug.“ Werde die Mehrsprachigkeit dagegen bewusst gestaltet und gefördert werde, könne sie gelingen und diese Kinder zählten dann oft zu den Leistungsstärksten in ihrer Klasse. Aufgrund seiner in Japan gesammelten Erfahrungen absolviert Harald Pröm mittlerweile an der Universität Regensburg eine Zusatzausbildung zum Mehrsprachigkeitsberater.

Der Lehrer berichtete auch vom Alltagsleben seiner Familie in Tokyo. Positiv überrascht waren die Deutschen etwa vom japanischen Bahnverkehr. „Die Züge sind immer pünktlich. Und immer heißt immer.“ Nach einem halben Jahr legte sich die Familie ein Auto zu. „Wir hatten auch ein japanisches Navi – das sprach allerdings nur Japanisch“, sagte Pröm schmunzelnd. Hilfreich sei hier die Möglichkeit gewesen, Telefonnummern einzugeben, um zum Ziel zu gelangen. Den Wechsel der Jahreszeiten genoss die deutsche Familie ebenfalls – vor allem die blühenden Kirschbäume im Frühling und die leuchtenden Blätter im Herbst. Der tropisch-heiße Sommer und der Winter seien aber zum Teil mühsam gewesen. Zwar werde es in Tokyo im Winter nicht sehr kalt, die Häuser verfügten aber weder über Zentralheizung noch über gut isolierte Fenster, so dass es drinnen meist nicht wärmer sei als draußen.

„Es war eine außerordentlich anregende und keinesfalls langweilige Zeit“, schloss Harald Pröm seinen Vortrag. Gefragt, was sie am meisten an Japan vermissen, antworteten seine Töchter: „Die Höflichkeit der Menschen, Onsen und Conbinis.“ Für sie steht fest, dass sie auf jeden Fall wieder nach Japan reisen wollen.

Wir treffen uns gemütlich im Ogawa, und essen leckeres Sushi, und unterhalten uns. Gäste sind natürlich herzlich willkommen!

Datum: 9.12.2015 (Mittwoch)
Zeit: 19:00
Ort: Ogawa (An der Schergenbreite 1, 93059 Regensburg)
Anmeldung: Bitte bis zum 5. Dezember bei Frau Mayumi Takamura-Zorneck unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anmelden.

Am 30. September veranstaltete die DJG Regensburg einen Workshop für japanisches Mahjong. Teilnehmen durfte jeder; Ziel war es, Interessierten das Spiel nahezubringen. Es waren auch einige versierte Spieler anwesend, die halfen, den Teilnehmern das Spiel mit seinen teils doch komplexen Regeln verständlich zu machen. Zunächst wurden das Spielprinzip und die Regeln in einem Vortrag erklärt und gleichzeitig das Gesagte von den erfahrenen Spielern an einem Spielset demonstriert. Anschließend wurde eine kurze Spielrunde mit Erklärungen simuliert. Dann ging es endlich ans Spielen. In Vierergruppen aus je einem Lehrer und drei Spielern probierten die Teilnehmer das japanische Mahjong aus. Ein weiterer Lehrer ging herum und half hier und da bei Entscheidungsschwierigkeiten weiter. Das Spiel kam bei den Teilnehmern gut an, und so wurde beschlossen, die Kenntnisse bei einem Anschlusstermin eine Woche später zu vertiefen.

Herr Gahler erklärt das Spielprinzip und die Regeln.

Demo-Spiel von Lehrern.


Beim Spiel.

Japanisches Papiertheater faszinierte


Stefan Großkreuz schlägt die hölzernen hyoshigi zwei Mal aneinander und ruft „Hajimari, hajimari“ – „Ich fange an“. Dann klappt er die Türchen des Rahmens auf, der auf dem Gepäckträger seines altmodischen schwarzen Fahrrads montiert ist. Eine erste Bildtafel wird sichtbar. Großkreuz erzählt die Geschichte von Kaguyahime, der Bambusprinzessin.
„Geschichte und Geschichten des japanischen Papiertheaters“ erlebten die Besucher am Samstag, 17. Oktober im Hörsaal H26 der Universität Regensburg. Stefan Großkreuz, der Vorsitzende des Deutsch-Japanischen Vereins Yawara Lippstadt e.V., berichtete zunächst von den Anfängen des Kamishibai in den 1920er Jahren. „In Japan gibt es eine sehr alte Erzähltradition“, sagte er. Das Papiertheater erfreute sich rasch großer Beliebtheit. Mit dem Fahrrad zogen die Erzähler durch die Straßen und trugen Märchen, Fabeln und Abenteuergeschichten vor. Dargestellt waren diese auf etwa acht bis zwölf Bildtafeln, auf deren Rückseite der Text abgelesen werden konnte. Die Vorstellung an sich war kostenlos, Geld verdienten die Geschichtenerzähler  sich mit dem Verkauf von Süßigkeiten. In Tokyo und Osaka, den Hochburgen des Kamishibai, soll es in den 1930er Jahren insgesamt rund 10.000 Geschichtenerzähler gegeben haben, so Großkreuz. Er berichtete auch von Kritik der Pädagogen am Papiertheater („zu bunt“), Hygieneproblemen mit den verkauften Süßigkeiten und der politischen Vereinnahmung des Kamishibai während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg erlebte das Papiertheater eine neue Blüte, erzählt wurden nun auch Fortsetzungsgeschichten, deren einzelne Episoden ähnlich wie bei heutigen Fernsehserien mit einem Cliffhanger endeten.
Das Fernsehen war es schließlich auch, dass das Ende der Blütezeit des Papiertheaters einläutete. Dieses entwickelte sich in zwei Stilrichtungen weiter: dem gaito kamishibai (Straßen-Papiertheater), dessen Nachfolger die japanischen Comics und Trickfilme – Manga und Anime – sind, und dem kyoiku kamishibai, also Bildungs-Papiertheater, das bis heute in Kindergärten oder Schulen eingesetzt wird. „Auch viele Büchereien bieten mittlerweile Kamishibai-Bühnen zum Ausleihen an“, sagte Großkreuz.


Am Sonntag, 18. Oktober, folgte eine Kamishibai-Vorführung für Kinder. Auf Decken und Kissen auf dem Boden vor der Bühne sitzend verfolgten die Mädchen und Buben gebannt die Geschichten von dem Pfirsich-Jungen Momotarô, der auszieht, um die Dämonen zu besiegen, oder vom Fischer Urashima Tarô, der einer Schildkröte das Leben rettet und in einen Palast unter dem Meer gebracht wird. Den Beginn der Geschichten dürfen die Kinder abwechseln mit den hyoshigi, den japanischen Klanghölzern, ankündigen. „Vor der nächsten Geschichte muss ich wissen, ob jemand von euch Angst vor Hexen hat“, fragt Großkreuz sein junges Publikum. „Ich habe keine Angst“, ruft ein Junge. Die Geschichte von der kinderfressenden Berghexe Yamanba, die Großkreuz mit wechselnden Stimmen sehr lebendig vorträgt, finden glücklicherweise ein gutes Ende. Bei einem Kamishibai-Quiz rund um Ninja gibt es Gummibärchen für die richtigen Antworten. Zum Schluss singt Großkreuz mit den Kindern – ebenfalls unterstützt von Bildtafeln – noch das Lied „Meine Tante aus Marokko“ und erzählt als Zugabe die Geschichte vom Schildkröten-Ausflug. Dann werden die Türchen an der Bühne zum letzten Mal geschlossen. „Oshimai“ – Ende.

Übrigens: Am 8. November 2015, dem Tag der offenen Tür der Stadtverwaltung, gibt es in der Stadtteilbücherei Nord im Regensburger ALEX-Center ebenfalls ein Kamishibai-Erzähltheater mit Märchen der Gebrüder Grimm.


Herr Großkreuz erzählt die Geschichte "Kaguyahime, die Bambusprinzessin"


Die Kinder waren total begeistert von den Geschichten.

 

Am 29. November zeigt die Deutsch-Japanische Gesellschaft Regensburg den Dokumentarfilm "Hafu" (2013, 87 Minuten, Original mit deutschen Untertiteln).

Hafu(ハーフ) ist ein japanisch-englisches Wort für "Halb-Japaner" oder "Mischling". In dem Dokumentarfilm berichten fünf "Hafu-Japaner", die in Japan leben, von ihren Erfahrungen. Dabei geht es um Themen wie Diversität, Multikulturalität, Nationalität und Identität und die Fragen "Was bedeutet es, Hafu zu sein?" und "Was bedeutete es, Japaner zu sein?".

Informationen zum Film finden Sie hier: http://hafufilm.com/en/

Datum: 29. November (Sonntag)
Zeit: 14:00 Uhr
Ort: Uni-Regensburg, H2
Eintritt: DJG-Mitglieder 3 Euro, Vollzahler 4 Euro
Kinderbetreuung: Wir bieten als Service eine Kinderbetreuung an. Bei Interesse schreiben Sie bitte eine Mail an Frau Takamura-Zorneck (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Teilen Sie uns darin bitte bis spätestens 20. November die Anzahl und das Alter der zu betreuenden Kinder mit.

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