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Am 3. Juli 2015 besuchte der Rakugo-Erzähler Sanyûtei Ryûraku (三遊亭竜楽) auf seiner Deutschland-Tour Regensburg. Rakugo  (落語) bedeutet „gefallene Worte“. Es handelt sich dabei um eine traditionelle japanische komische Geschichtenerzählung. Humor ist in einer fremden Sprache oft nur schwer verständlich. Sanyûtei Ryûraku macht Rakugo aber auch für ein westliches Publikum zugänglich, denn er kann die Stücke in sieben Sprachen – inklusive Japanisch – vortragen. Das Publikum im W1 (Zentrum für junge Kultur) bekam dabei nicht nur lustige Geschichten zu hören, sondern erfuhr nebenbei auch viel über diese besondere Form der Unterhaltung. Etwa, warum der Rakugo-ka (Rakugo-Erzähler) den Haori (eine Art Jacke, die über dem Kimono getragen wird) gleich zu Beginn der Vorführung auszieht. Der Haori sei in Japan ein traditionelles formelles Kleidungsstück. „Bei der Begrüßung des Publikums ist der Haori daher wichtig. Danach kann er abgelegt werden“, erklärte Sanyûtei Ryûraku. Auch die Bedeutung der verschiedenen Familienwappen sowie der  Schriftarten auf Theaterplakaten erläuterte er. So sollen die besonders dicken Schriftzeichen, mit der bei einer Rakugo-Vorführung die Namen der Künstler oder das Programm geschrieben werden, den Wunsch zum Ausdruck bringen, dass das ganze Theater voller Gäste sein möge.

Beim Rakugo sitzt der Erzähler erhöht auf einem Zabuton-Sitzkissen. Mit Mimik, Gestik und nur einem Fächer und einem Tuch als Requisiten erweckte er die Figuren in seinen Geschichten zum Leben. Der  Fächer wird je nach Bedarf und Szene zu verschiedenen Objekten wie Essstäbchen oder Pfeife, das Tuch etwa zum Tabakbeutel. Sanyûtei Ryûraku demonstrierte, wie man sich eine Pfeife stopft oder Sashimi isst. Sogar Rennen kann man im Sitzen, wie das Regensburger Publikum  überrascht feststellte.

Auf Deutsch erzählte der Rakugo-ka unter anderem die Geschichte „Ki no chotan“, die von zwei Männern handelt: einem langsamen und einem schrecklich ungeduldigen. Die Rakugo-Geschichten enden immer mit einer besonderen Schlusspointe – der sogenannten „ochi“.
Eine weitere Geschichte „Chiritotechin“, begann Sanyûtei Ryûraku auf Japanisch zu erzählen. Nach und nach kam immer mehr Deutsch dazu, bis der Text schließlich komplett auf Deutsch war. Diese Erzählung handelt von einem Mann, der seinem besserwisserischen Bekannten Tora-san verdorbenen Tofu vermischt mit weiteren Zutaten als angeblich neues Gericht „Chiritotechin“ vorsetzt.

Im Anschluss an die Vorführung nahm sich Sanyûtei Ryûraku noch Zeit, Fragen aus dem Publikum zur Tradition des Rakugo, der Ausbildung der Erzähler und den Geschichten zu beantworten. Und auch eine Zugabe bekamen die Besucher noch zu hören: Sanyûtei Ryûraku erzählte zum Abschluss die Geschichte „Miso-mame“ (Miso-Bohnen).

 

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